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Golf-Mental-Training - Teil 2
Natürlich lassen sich meine Methoden bei allen Sportarten anwenden, beim Golfen
lässt sich ihr Erfolg aber besonders schnell und markant beobachten. Hier ist es also offenbar noch wichtiger, dass man den Alltag abstreift, sich positiv „ p r o g r a m m i
e r t “ , Ablenkungen ausblendet, ins Hier und Jetzt geht und eins wird mit sich selbst und dem Spiel. Wie man das erreicht, habe ich in der letzten Ausgabe
ausführlich beschrieben. Heute geht es um Methoden, die weniger bekannt sind, als die vorgestellte Visualisierungs- und Meridian-Technik.
Sie beruhen allesamt auf den in vielen Studien nachgewiesenen Effekten der modernen Neuro-Biologie, die ich u.a. an der Neurobiology Research Foundation,
Bellevue, Washington kennen gelernt habe und mit denen Spitzensportler auf der ganzen Welt trainiert werden.
Beginnen wir mit den
Spiegel-Neuronen. Das sind Nervenzellen, die bei sensorischen und motorischen Vorgängen aktiv sind, d.h. sowohl bei der Wahrnehmung, als auch bei der Ausführung von Bewegungen. Sie
lösen bei Beobachtung einer Tätigkeit die gleichen Potentiale aus, als wenn diese ausgeführt würde, verknüpfen also das Beobachten einer
Handlung mit deren Durchführung. Dadurch sind wir Menschen in der Lage, Bewegungen vorzunehmen, die wir lediglich bei anderen beobachtet haben.
Diese Erkenntnis macht man sich zum Beispiel beim Wiedererlernen von Bewegungsabläufen nach einem Schlaganfall zu nutze. Ahnen Sie, was dieser neurophysiologische Effekt
bedeutet? Das Gehirn ist demnach so konzipiert, dass man durch das wiederholte Anschauen eines perfekten Abschlages lernt, diesen anschließend nachzuahmen. Ich meine nicht theoretisch, sondern
praktisch, also durch eine tatsächlich ausgeführte Bewegung! Und das in der gleichen Perfektion.
An dieser Stelle höre ich beim Golf-Coaching oftmals den Einwand: wenn das so einfach wäre, dann würde
es ja jeder machen! Klare Antwort: ganz so einfach ist es natürlich nicht und außerdem brauchen die
Erkenntnisse der Denk- und Verhaltensforschung nicht nur in diesem Bereich viele Jahre, bis sie praktisch zum Einsatz kommen, sonst gäbe es auf der Welt zum Beispiel sehr viel weniger Konflikte.
Aber, zurück zu den Spiegel-Neuronen, die das perfekte Nachahmen überhaupt möglich machen und durch
die wir uns beispielsweise erst in andere Menschen hineinversetzen können. In seiner Studie weist Patrick
Haggard vom Londoner University College aber darauf hin, dass es zur Nutzung dieser Lernsynergie notwendig ist, mehrmals den neuen Bewegungsablauf auf dem Monitor anzuschauen, um ihn danach
ausführen zu können. Ich habe herausgefunden, dass man den Erfolgfaktor deutlich steigern kann, in dem
das gesehene Bild nach der Betrachtung mehrmals mit geschlossen Augen visualisiert und er erst danach
praktisch ausgeführt wird. Grundkenntnisse der durch diese Technik zu verbessernden Schläge sind aber eine wichtige Voraussetzung dafür.
An der Universität Nijmegen hat man übrigens durch
Hirnstrom-Messungen nachweisen können, dass wir, durch Aktivierung der Vermeidungsareale auch aus von anderen falsch ausgeführten Bewegungen lernen können. Diese Technik bedarf aber unbedingt eines
Coachings, deshalb verzichte ich an dieser Stelle darauf, sie vorzustellen. Natürlich gibt es noch eine Vielzahl weiterer Mentaltrainings-Methoden. Am
sinnvollsten ist es, diese der Einmaligkeit des Spielers anzupassen, schließlich essen wir ja auch nicht alle das Gleiche.
Bei aller Individualität gilt aber eines für jeden Spieler und für alle Sportarten: ankommen, abschalten und erst dann anfangen. Unseren Körper bereiten wir ja
auch vor durch umziehen, warm laufen, Dehn- und Streckübungen etc. Verständlich also, dass die Schaltzentrale zwischen den Ohren auch vorbereitet werden will. Also erst einmal Ruhe herstellen, Augen
schließen, alle Tageseindrücke –auch die von der Anfahrt- loslassen, ganz ankommen im jetzigen Augenblick, durchatmen, den ganzen Körper mit dem intensiven Gefühl der Freude erfüllen, die Augen
wieder öffnen und vor dem Abschlag ein großes Glas stilles, aber nicht zu kaltes Wasser trinken.
Das sind die absoluten Mindestmaßnahmen vor einem erfolgreichen Golfspiel. Erst danach beginnt das
eigentliche Mental-Training mit Visualisierungen, Atemtraining, Körperspannungs- und Konzentrationsübungen etc. Um emotionalen Stress vor dem ersten Abschlag wirklich nachhaltig und
dauerhaft aufzulösen, bietet die Wissenschaft verschiedene Formen der Akupressur an, also der Stimulation von Akupunktur-Punkten durch Klopftechnik in bestimmter Reihenfolge. Dabei werden
gleichzeitig die Stress auslösenden Bilder visualisiert und anschließend neue Handlungsmuster implementiert. Diese Technik ist hochwirksam, sollte allerdings nur nach spezieller Ausbildung angewandt werden. Die beiden
bekanntesten Methoden dieser Art heißen EFT - Emotional Freedom Techniques von Gary Graig und Mentalfeld-Therapie von Dr. Dietrich Klinghardt, die er an der American Academy of
Neuraltherapie in Seattle lehrt. Ich verwende lieber die Klinghardt-Methode, da mit ihr auch die hinter dem Stressor liegenden Ursachen gefunden und aufgelöst werden können.
Albrecht Henze
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