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Golf spielt man mit dem Kopf und Fußball auch
Stellen Sie sich einmal vor, es gäbe eine Methode, mit der man innerhalb kurzer Zeit seine sportliche Leistungsfähigkeit um Klassen verbessern könnte. Und das auch noch dauerhaft und in jeder
beliebigen Sportart. Egal, ob es sich dabei um eine neue Schlagtechnik beim Golfen oder beim Tennis spielen handelt oder um einen punktgenauen Pass auf dem Fußballplatz. Wäre das nicht sensationell?
Nun, ich behaupte nicht nur, dass es eine solche Methode tatsächlich gibt, sondern ich habe als Sport-Coach schon bei einigen Hochleistungssportlern in der Praxis
nachweisen können, dass sie auch funktioniert. Kennen gelernt habe ich sie im Rahmen meiner Ausbildung zum Neuro-Biologen an der American Academy of Neural Therapy, wo man diese
Spiegel-Neuronen-Technik vor allem bei der Wiedererlangung motorischer Fähigkeiten bei Schlaganfall-Patienten einsetzt.
Man benutzt dazu die Fähigkeit des Gehirns, neue Nervenbahnen entstehen zu lassen durch Nachahmung von beobachteten Bewegungsabläufen. Man spiegelt das Gesehene also,
deshalb nennt man diesen Teil des Neo-Cortex auch die Spiegel-Neuronen. Ohne ihn könnten Babys und Kleinkinder kaum einen komplexen Bewegungsablauf lernen. Erst die neuere Gehirnforschung konnte
durch die Magnet-Resonanz-Tomographie zeigen, dass wir nicht nur durch eigene Handlungen lernen, sondern dass genau die gleichen Neuronen aktiv werden, wenn wir anderen bei deren Bewegungsabläufen
zuschauen und dabei unsere eigenen Handlungen planen. Schaut also zum Beispiel ein halbseitig gelähmter Schlaganfall-Patient auf einem Film mit Endlosspule einen Bewegungsablauf an, den er selbst
nicht ausführen kann, so besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass er diesen nach einiger Zeit auch wieder machen kann. Vereinfacht gesagt, generiert das Gehirn neue Nervenbahnen, mit denen die
Bewegung wieder möglich wird.
Nach umfangreichen Studien und vielen Tests ist es gelungen, dieses Prinzip zur Erlangung von motorisch neuen und komplexen Bewegungsabläufen im Hochleistungssport
anzuwenden. Die meisten Sportler arbeiten ohnehin mit den bekannten Visualisierungs-Techniken, d.h. mit dem Ablauf innerer Bilder oder Filme, wobei auch diese Technik wesentlich erfolgreicher ist,
wenn sie von einem versierten Sport-Mental-Coach begleitet wird. Das gilt natürlich auch für die verschiedenen Suggestions- und Affirmations-Techniken.
Bei der Spiegel-Neuronen-Technik benutzen wir einen DVDFilm, auf dem die Bewegungsabläufe, die neu zu erlernen oder zu perfektionieren sind, in vollendeter Weise gezeigt
und durch wiederholtes Ansehen penetriert werden. Der dabei entstehende Nachahm-Effekt, der im Gehirn gespeichert wird, kann deutlich gesteigert werden, wenn die auf dem Bildschirm gesehene
Film-Sequenz in einer speziellen Visualisierung, also mit geschlossenen Augen und auf sich selbst bezogen wiederholt wird.
Wenn Sie also z.B. Ihren Abschlag wesentlich verbessern wollen, dann besorgen (oder fertigen) Sie sich also einen Endlos-Film, auf dem jemand genau diesen gewünschten
Abschlag durchführt, schauen sich die Szene einige Zeit an und schließen zwischendurch immer wieder einmal die Augen, um sich selbst zu sehen, wie Sie genau die gleiche Bewegung ausführen. Meist
spürt man selbst, wann das vor dem geistigen Auge optimal klappt. Und dann geht es auf den Platz. Bevor Sie nun staunen, was Ihr Gehirn dank dieser Technik gelernt hat, entspannen Sie sich und machen
Sie noch einmal zwei oder drei dieser Visualisierungen. Dann funktioniert es noch besser.
Bei den Profi-Sportlern, die wir betreuen, gehen wir sogar mit dem ganzen Equipment auf den Trainingsplatz und können dort genau so lange trainieren, bis der gewünschte
Erfolg sichtbar eingetreten ist. Unterstützt wird dieses Gehirn-Jogging dabei meist auch noch durch bestimmte Farb-Reize, die genau jenen Gehirn-Bereich aktivieren, der dafür zuständig ist. Das
Institut für Gehirnforschung in Stuttgart liefert im Idealfall noch die individuell erstellten Ton-Frequenzen, um auch noch einen auditiven Anker zu setzen.
Vielleicht hört sich das kompliziert an, aber erstens arbeiten wir ja an dem komplexesten Gebilde im bekannten Universum, nämlich dem menschlichen Gehirn und zweitens
wissen Sie jetzt, warum es unter den Sport-Profis manchmal so deutliche Unterschiede in den motorischen und mentalen Fähigkeiten gibt. Es sei denn, man ist ein begnadetes Ausnahme-Talent. Dann rate
ich, jede Technik weg zu lassen und nur mit konzentrativer Entspannung zu arbeiten. Und ansonsten den Applaus der anderen zu genießen.
Albrecht Henze
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