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Aus: Bild der Wissenschaft - 13.04.2007 - Hirnforschung

Wie das Gehirn das Beste noch besser macht

Bei der Aussicht auf eine hohe Belohnung werden mehr Muskelkräfte freigesetzt
Wer eine höhere Belohnung vor Augen hat, mobilisiert dafür unbemerkt mehr Kräfte als für einen kleineren Anreiz. Das gilt selbst dann, wenn die Belohnung gar nicht bewusst wahrgenommen wird, zeigt eine Studie britischer und französischer Forscher. Verantwortlich für diesen Effekt ist eine Kooperation verschiedener Hirnregionen: Ein Areal namens Pallidum registriert die Größe des Anreizes und aktiviert daraufhin das Bewegungszentrum, das die unterschiedlich starken Signale schließlich in mehr oder weniger kraftvolle Muskelkontraktionen übersetzt.

Für ihre Studie legten Mathias Pessiglione und sein Team ihre Probanden in einen Magnetresonanztomographen und zeigten ihnen für 17, 50 oder 100 tausendstel Sekunden entweder das Bild eines Pennystücks oder das einer sehr viel wertvolleren Pfundmünze. Während des Tests sollten die Teilnehmer so fest wie möglich einen Handgriff drücken, wobei ihnen gesagt wurde, dass sie am Ende umso mehr Geld erhalten würden, je stärker der Druck war. Gleichzeitig zeichneten die Wissenschaftler die Leitfähigkeit der Haut, die Auskunft über den Erregungszustand eines Menschen gibt, und die Gehirnaktivität der Probanden auf.

Obwohl die Teilnehmer in den meisten Fällen nicht sagen konnten, welches Geldstück sie gesehen hatten, drückten sie beim Anblick der Pfundmünze sehr viel fester auf den Handgriff als bei dem Penny. Auch ihre Hautleitfähigkeit veränderte sich stärker, genauso wie die Aktivität einer Reihe von Hirnregionen. Dieses Netzwerk von Gehirnarealen war bereits in früheren Studien mit Motivationen in Verbindung gebracht worden und gilt sozusagen als ausführende Maschinerie des für Gefühle zuständigen Limbischen Systems, erklären die Forscher.

Für besonders entscheidend halten sie dabei eine kleine Region tief im Inneren des Gehirns: Sie steuert das Bewegungszentrum an und vermittelt dem so genannten supplementär-motorischen Areal, wie groß die wahrgenommene Belohnung ist. Diese Information wird dann an den primären Motorcortex weitergeleitet, der sie direkt in Muskelbewegungen umsetzt. Demnach steigert beispielsweise eine hohe Dotierung bei einem Sportwettkampf die Leistung der Athleten gleich zweifach – einmal, weil sie sich als Ergebnis einer vernunftgesteuerten Kosten-Nutzen-Rechnung bewusst mehr anstrengen, und einmal, weil das Gehirn unbewusst die Muskelleistung erhöht.


Mathias Pessiglione (University College, London) et al.: Science, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1126/science.1140459

Quelle: http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/277002.html


Aus: Bild der Wissenschaft - 27.01.2006 - Physik

Der Winkel-Instinkt von Ballack und Co.

Erfahrende Fußballer nutzen intuitiv den idealen Einwurfwinkel von 30 Grad


Der ideale Winkel für besonders weite Einwürfe beim Fußball liegt bei 30 bis 35 Grad. In diesem Winkelbereich kann der menschliche Körper das runde Leder am kraftvollsten fortschleudern - auch wenn der optimale Wurfwinkel in der klassischen Mechanik bei 45 Grad liegt. Das haben britische Sportwissenschaftler um Nicholas Linthorne von der Brunel-Universität in Uxbridge herausgefunden.

Gemäß der klassischen Mechanik erreichen Bälle, Diskusscheiben oder Gewehrkugeln eine maximale Weite, wenn sie in einem Winkel von 45 Grad abgefeuert werden. Dass der ideale Winkel für weite Ballwürfe indes bei 30 bis 35 Grad liegt, steht zwar auf keinem Übungsplan. Dennoch machen die Fußballer es bei ihren Einwürfen von der Seitenlinie intuitiv richtig, wie die Forscher in ihrer Auswertung zeigen konnten. Sie zeichneten dazu Einwürfe mit verschiedenen Winkeln auf Video auf und bestimmten Abwurfgeschwindigkeiten, Wurfweiten und Flugzeiten. Der menschliche Körper könne bei flacheren Winkeln die Bälle mit deutlich höherer Wucht werfen, erklären die Forscher das Ergebnis. Bei geübten Spielern war der Abwurfwinkel über viele Würfe sogar recht konstant. Im Training haben diese Fußballer längst ihren Idealwurf gefunden, kommentieren die Forscher. Neben dem weiten Wurf in den gegnerischen Strafraum spielt aber auch der überraschend schnelle Einwurf eine taktische Rolle . Die Forscher fanden heraus, dass bei nur geringfügig kleineren Abwurfwinkeln die erreichte Weite zwar weitestgehend gleich bleibt, der Ball aber deutlich mehr Geschwindigkeit bekommt.

Onlinedienst des Fachmagazins Nature, doi:10.1038/news060123-7

ddp/wissenschaft.de - Martin Schäfe


Aus: Bild der Wissenschaft  -  02.03.2006 - Psychologie

Was einen Freistoß unhaltbar macht

Fußball-Studie: Bälle mit Drall überfordern die menschliche Wahrnehmung

Menschen können die Flugbahn eines Balls mit Drall nicht richtig einschätzen. Das haben Psychologen aus Frankreich und Irland herausgefunden, als sie Fußballprofis virtuelle Freistöße am Computer zeigten. Hatte der Ball einen Seitwärtsdrall, so konnten die Ballkünstler nicht mehr zuverlässig vorhersagen, ob das Leder im Tor landen oder den Kasten verfehlen würde.

Angeschnittene Fuß- oder Tennisbälle fliegen nicht schnurstracks geradeaus, sondern werden seitlich von ihrer Flugbahn abgelenkt. Dahinter steckt ein physikalisches Phänomen namens Magnus-Effekt: Wenn eine Kugel sich um die eigene Achse dreht und dabei von Luft umströmt wird, so wirkt auf sie eine seitwärts gerichtete Kraft.

Cathy Craig von der Queen´s Universität in Belfast und ihre Kollegen untersuchten nun, wie Menschen eine solche gekrümmte Flugroute wahrnehmen. Dazu zeigten die Wissenschaftler einigen erfahrenen Fußballern Computersimulationen von Freistößen mit und ohne Seitwärtsdrall. Dabei mussten die Kicker ihre Augen auf die Mitte des virtuellen Tors fixieren und jeweils vorhersagen, ob der Freistoß ein Treffer sein würde. Bei Schüssen mit Spin scheiterten selbst professionelle Spieler an der korrekten Torprognose, während sie sich bei geradeaus fliegendem Leder wesentlich leichter taten.

Die menschliche Wahrnehmung sei nicht dafür ausgelegt, die Bewegung eines schnell rotierenden Balls richtig zu erkennen, erklären die Forscher dieses Ergebnis. Objekte wie fliegende Bälle kämen in der Natur nicht vor, und daher hätte der Mensch im Laufe der Evolution auch keine visuelle Wahrnehmung dafür entwickeln können. Im Gegensatz dazu könnten Menschen sehr wohl den Einfluss der Schwerkraft auf Bewegungen einschätzen, was evolutionär wichtig gewesen sei.

Diese Erkenntnisse verdankt die Fußballwelt übrigens dem Starkicker Roberto Carlos, denn er verwandelte 1997 für die brasilianische Nationalelf in einem Spiel gegen Frankreich einen Ball mit Drall in ein spektakuläres Tor und inspirierte Craig damit zu ihrer Studie.

Quelle: New Scientist, 4. März, S. 19

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